Der Stolz beruht auf einem edlen und lobenswerten Gefühl: er ist eine
Tugend, wenn er im Zaum gehalten wird, und ist nur dann ein Laster, wenn es nicht
so ist.
Doch die eitle Überheblichkeit ist immer lächerlich.
Man kann zu einem Menschen sagen: Sie sind zu stolz; aber man sagt ihm
nicht: Sie sind zu überheblich; denn das wäre eine Beleidigung, daß hiesse, ihn
als einen Gecken zu bezeichnen.
Es steht bei bestimmten Gelegenheiten einem Menschen gut an, stolz zu sein;
doch es gibt keine, bei der er sich nicht herabwürdigt, wenn er überheblich
ist.
Gewöhnlich ist der Überhebliche nicht einmal stolz. Der stolze Mensch möchte
in seinem Inneren mit sich selbst zufrieden sein. Dem Überheblichen genügt
es, die anderen zufrieden gestellt zu haben; es genügt ihm, daß seine
Handlungen lobenswert erscheinen. Der Stolze will, daß sie es in den eigenen Augen
sind.
Kurz, der stolze Mensch hat Herz, der überhebliche nur den Hochmut, die
anderen davon überzeugen, daß er welche hätte. Der eine hat wahre Tugenden in
seiner Seele; der andere spielt welche vor, die er nicht hat, und um die er sich
auch gar nicht bemüht.
Der eine findet Vergnügen daran ein redlicher Mensch zu sein, der andere
würde es oft gern unterlassen so zu tun, als wäre er einer.
Ihm liegt nichts an der Redlichkeit, ihm liegt nur an der Ehre, die sie
einbringt. Daher lässt er es bei tausend kleinen Einzelheiten, von denen man
nichts erfährt, an ihr fehlen. Der stolze Mensch ist ein guter Freund; seine
Freundschaft gilt Dir persönlich.
Der Überhebliche ist niemandes Freund, und wenn er der deine zu sein
scheint, so liebt er nicht Dich, sondern deinen Rang, dein Vermögen, den Glanz der
Dich umgibt, und die Achtung, die Du in der Gesellschaft genießt: das heißt,
er liebt Dich als reichen Mann, als grossen Herrn, als mächtig, als anerkannt,
als von den anderen geehrt, aber niemals als Mensch, den er schätzt und der
ihm gefällt. Du bedeutest ihm nichts; du bist weniger wert als dein Kleid;
das liebt er mehr als dich, wenn es prächtig ist.
Man muss jedoch den Überheblichen vom Angeber unterscheiden: oft wird dieser
für jenen gehalten; aber ein Mensch, der nur ein Angeber ist, kann durchaus
ein redlicher Mensch sein, er kann alle Tugenden, die er zeigt auch haben;
seine Fehler ist nur, mit ihnen zu prunken, sie gerne bestaunen zu lassen.
Manchmal sind sie auch bestaunenswert und er hält, was er verspricht; nur ist
es schade, daß er es verspricht. Er kann in seinem Inneren schätzenswert
sein, indes er in seinenm Äusseren ein Angeber ist. Sein Fehler liegt manchmal
nur in seiner Art.